„Print wird nicht sterben“ – Journalistisches Feingefühl

Thomas Schmitz

Thomas Schmitz

Kurz gefragt - klar geantwortet: Im Lounge-Gespräch der Corporate Publishing Lounge unterhalten sich 4iMEDIA-Geschäftsführer Kay Schönewerk und Thomas Schmitz - Geschäftsführer der Hamburger schmitz-komm.de medien GmbH – über journalistisches Feingefühl, nicht vorhandenen Fachkräftemangel und das anbrechende Zeitalter der Kreativität.

Wie wollen Sie zukünftig die immer stärkere Gratwanderung zwischen einem journalistischen Produkt und einem Marketinginstrument meistern?
Mit einer Portion Marketingkompetenz und journalistischem Feingefühl!
Was meinen Sie: Rechnen sich hohe Qualitätsansprüche in der Produktion?
Auf jeden Fall, ein schlecht gedrucktes Magazin auf giddeligem Papier mit 018/15-Optik und Free-Licence-Bildern ist doch in etwa gleich schlimm wie ein schlecht riechender, schlecht angezogener Gesprächspartner.
Experten meinen, Text und Layout müssen sich "voreinander verbeugen" - wie sind Ihre Erfahrungen?
Mmmh. Sie sollten vor allem miteinander ein Ziel haben, in eine Richtung arbeiten und das gerne besonders mutig und kreativ!
Was werden in Zukunft die wichtigsten Qualitätskriterien im Corporate Publishing sein?
Nach dem Zeitalter des Controllings warten viele auf das Zeitalter der Kreativität. Dann wird vieles wieder besser!
Wie muss/wird sich die Zusammenarbeit von Redaktion und Herausgebern in Zukunft ändern?
Effizienzdenken und latente Unsicherheit auf Seiten der Herausgeber sind schlimme Bremsklötze. Steigert man mit guten Ergebnissen das Selbstvertrauen und die Kompetenz der Herausgeber wird sich das vielleicht ändern.
Wie verstärken Sie die Leser-Blatt-Bindung?
So wie ich mit Freunden verfahre. Ich bin ehrlich, offen, interessiert, höflich und meinungsfreudig und gebe gerne.
Wie schaffen Sie es zukünftig, sich stärker an den Leser-Interessen und -wünschen zu orientieren?
Wieso zukünftig? Das ist doch der wesentliche Auftrag einer Kundenpublikation!
Warum kommunizieren Sie noch auf Papier? Wenn Sie Ihr Magazin online bereitstellen, erreichen Sie erheblich mehr Adressaten und sparen obendrein noch Unsummen bei Druck und Versand.
Print wird nicht sterben und hat im Vergleich zu Onlinemedien markante, gewachsene Vorteile die sich auch während unserer Schaffensphase (also bis 2025) auch nicht nachhaltig verändern werden.
Wie schätzen Sie die Entwicklung des Verständnisses der Auftraggeber für die Notwendigkeit journalistischer Herangehenweisen in den CP-Medien ein?
Eigentlich weiß doch jedes Kind, dass man platten Werbebotschaften nicht, oder nur ganz marginal vertrauen kann. Journalistische Umsetzungen haben hier den zentralen Vorteil der höheren Glaubwürdigkeit.
Welche Erwartungen und Eigenschaften wird der CP-Leser der Zukunft haben?
Er wird immer stärker ein qualitatives und uniques Magazin von seinen „Händlern“ erwarten und weniger ein „me-too-Produkt“.
Welche Fähigkeiten müssen die Publisher - in den Bereichen Konzept, Text, Foto, Layout - in Zukunft haben?
Sie sollten multimedial bewandert sein, Mut zu neuen Ideen haben und diese konsequent verfolgen.
Werden CP-Medien eines Tages nicht nur qualitätstechnisch Kioskzeitungen überholen - sondern ihnen am Zeitschriftenstand auch wirtschaftlich Konkurrenz machen?
Es wird vielleicht den ein oder anderen erfolgreichen CP-Titel geben, dass bleibt aber m.E. die Ausnahme.
Ebay macht es vor, andere nach - bekommt jeder Kunde bald sein eigenes Kundenmagazin? Wie weit gehen Sie den Trend zur Personalisierung mit?
Diversifikation ist ja nicht neu. Ich gehe den Trend so weit mit, wie er sinnvoll und wirtschaftlich vertretbar ist.
Wie steigern Sie zukünftig die Glaubwürdigkeit ihres Magazins?
Dadurch, dass ich die Herausgeber davon überzeuge, dass platte Werbebotschaften kontraproduktiv sind.
Was kann ihr Printmedium von den E-Papern des Wettbewerbs lernen?
Pardon, eigentlich gar nichts!
Wie begegnen Sie dem vorausgesagtem Fachkräftemangel in der CP-Branche?
Wer hat denn das vorausgesagt? Es wird keinen Fachkräftemangel geben.
Was müssen die Ausbildungsstätten zukünftig in den Bereichen Konzept, Redaktion und Layout leisten?
Den Qualitätsanspruch weiter hoch halten, Ideen und Kreativität fordern und fördern.

Vielen Danke für das Gespräch!

CP-Lounge Gespräche, Februar 2007

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