„Mut zu kurzen, kreativen Elementen“ – Was Print von E-Paper lernen kann

Das Internet gilt als Killer für Printprodukte. Das Aussterben von Magazinen, Zeitschriften und Tageszeitungen sei durch die Schnelllebigkeit des multimedialen Mediums vorprogrammiert. Doch bisher konnten sich Printprodukte noch immer auf dem Markt behaupten. Vor allem durch die Verknüpfung von Online- und Offline-Produkten, beispielsweise anhand von QR-Codes, durch die man per mobilen Endgerät vom Magazin auf eine Webseite gelangt.

Die crossmediale Weiterentwicklung des CP-Marktes bringt dabei noch andere neue Symbiosen hervor: Printprodukt und E-Paper, die nicht konkurrieren, sondern sich ergänzen. Im Idealfall ist die Redaktion in solchen Kooperationen nicht nur für die redaktionelle Produktion des Druckerzeugnisses zuständig, sondern auch für die Erstellung eines eigenen e-Magazins.

CP-Agentur interviewt Katharina Zahner

Katharina Zahner

Die CP-Berater von 4iMEDIA haben sich mit Katharina Zahner, Ressortleiterin Corporate Publishing des Bad Staffelsteiner Dienstleisters MZ-Publishing, unter anderem über die Vor- und Nachteile von Onlinemagazinen unterhalten. Und was Print möglicherweise vom e-Magazin noch lernen kann. Außerdem waren die Qualitätsansprüche Corporate Publishing Agenturen, Verlagen und Kunden Thema das Gesprächs.

1. Warum kommunizieren Sie noch auf Papier? Wenn Sie Ihr Magazin online bereitstellen, erreichen Sie erheblich mehr Adressaten und sparen obendrein noch Unsummen bei Druck und Versand.
Weil jedes Medium seine Reize hat. Kurze gezielte Informationen verbreiten sich im Internet schneller. Dagegen laden Zeitungen und Magazine eher zum Blättern und Entdecken ein, als e-books. Gut gemachte Magazine sind ein Stück Lebensqualität. Werden sie dem Kunden oder Verbandsmitglied persönlich zugestellt, symbolisiert dies Wertschätzung und Zugehörigkeit. Ein Onlinemagazin kann gedruckte Magazine in manchen Bereichen nur ergänzen. Nicht ersetzen.

2. Wie schätzen Sie die Entwicklung des Verständnisses der Auftraggeber für die Notwendigkeit journalistischer Herangehenweisen in den CP-Medien ein?
Zur Zeit erlebe ich, dass dieses Verständnis wächst. Eine klare Sprache und ganzheitliche Auseinandersetzung mit Themen sind wieder gefragt.

3. Was meinen Sie: Rechnen sich hohe Qualitätsansprüche in der Produktion?
Auf jeden Fall. Die Kunden merken die Unterschiede. Schlechte Qualität von Magazinen schadet dem gesamten Image einer Firma oder Organisation.

4. Wie verstärken Sie die Leser-Blatt-Bindung?
Grundvoraussetzung für die Leser-Bindung ist eine klare, unverwechselbare Linie, die über einen längeren Zeitraum durchgehalten wird. Außerdem den vorgegebenen Freiraum bei der Themenwahl ausschöpfen. Gibt es einen Aspekt des Themas der interessant ist, aber noch nicht im Focus der Öffentlichkeit stand?<

5. Experten meinen, Text und Layout müssen sich "voreinander verbeugen" - wie sind Ihre Erfahrungen?
Sie müssen vor allem in einem sinnvollen Verhältnis zueinander stehen. Unterscheiden sich die „Aussagen“ von Text und Layout, kann dies den Leser irritieren. Bewusst oder unbewusst.

6. Wie begegnen Sie dem vorausgesagtem Fachkräftemangel in der CP-Branche?
Wir planen in den nächsten Jahren selbst auszubilden. Hochschulabsolventen mit breitem Interessenspektrum und journalistischer Vorerfahrung gibt es auch weiterhin. Auch ein gutes Netzwerk kann Engpässe überbrücken.

7. Was kann ihr Printmedium von den E-Papern des Wettbewerbs lernen?
E-Paper können im Stundentakt aktualisiert werden. Eine höchstmögliche Aktualität ist auch bei Printmedien wichtig. Außerdem den Mut zu mehr kurzen und kreativen Elementen in Text und Bild/Design.

Das Interview wurde im Rahmen der Lounge-Gespräche im März 2008 geführt.

Kommentare sind geschlossen.